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Freitag, 11. Mai 2012

Von Oster-Köpfen und Party-Hasen


[Osterinsel (Rapa Nui) 2 – Santiago 2]

Am Montag, dem 23.04.12, ist das Meer flach, wie ein Spiegel. Ein perfekter Tag, um Tauchen zu gehen. Im Anschluss habe ich mit Patty aus Peru, die im selben Hostel wohnt, ein Auto gemietet, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Die Tour fällt für mich jedoch ins Wasser, denn bis der Baer endlich ins Wasser fallen kann ist es beinahe 13 Uhr! Tauchstart wäre 9 Uhr gewesen – aber wie gesagt, die Zeit tickt etwas anders hier auf der Osterinsel. Die Sicht im kristallklaren Wasser beträgt unglaubliche 40m. Und obwohl das Unterwasserleben hier nicht so glamourös ist, wie auf Roatan, sehe ich ein paar bunte Fische, einen grossen Anker, Korallen (woran ich mir als kleines Andenken sogar noch den Fuss aufschürfe) und schwebe in etwa 25m Tiefe an einem majestätischen Moai vorbei (ein Replikat, das für Unterwassererforscher versenkt wurde). Den Rest des Tages verchille ich masslos…
Tags darauf, am 24.04.12 haben Patty und ich grosses vor. Wir stehen noch in der Dunkelheit auf, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang bei den 15 Moai bei „Ahu Tongariki“ zu sein. Just, als sich der Himmel vom Schwarzen ins Dunkelviolette verfärbt und die Giganten langsam aus der Dunkelheit auftauchen, sind wir vor Ort. Das Erlebnis ist unbeschreiblich. Hier lasse ich am besten ein paar Fotos sprechen…
Let the Show Begin…
..Ahu Tongariki beim Morgenerwachen..
…oder Sunbeam – Outside World!:-)
Moai vor Rano Raraku im Morgenlicht
Mit dem Moai um die Wette ge-posed
Als wir für eine Empanada-Stärkung zurück nach „Hanga Roa“ kommen, treffen wir auf Corina (Holland) und Bill (Australien), die ich bereits ein paar Tage zuvor bei meinen Tahai’s kennen gelernt habe. Aus zwei mach vier und wir fahren mit vollem Auto über die staubigen, mit üblen Schlaglöchern bestückte Strasse, um „Puna Pau“ und die Lavahöhlen zu bestaunen. Ich fungiere als Reiseführer, da ich die Sites ja schon bei meiner Fahrradtour besucht habe. Danach geht’s schnurstracks zum „Anakena“-Strand, wo wir den Teint auffrischen und einen auf faule Touristen machen. Rechtzeitig zur abendlichen Sonnenuntergangs-Sensation flitzen wir zurück zu den sieben Moai bei „Ahu Akivi“ und werden mit dem vielleicht schönsten Sonnenuntergang belohnt, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Auch hier sagen die Bilder mehr als 1000 Worte…
Vom Keksmonster zum Höhlenmonster
Moai-Spass bei Ahu Akivi

Abermals kann ein Spektakel beginnen…
…die orange Sonne versinkt im Meer…

…während die Moais den pinken Himmel anbeten
Später zeigt sich sogar noch der Mond
Obwohl mir der Tauchshop vorgestern meine Autotour vermiest hat, mache ich am 25.04.12 nochmals einen Tauchgang – schliesslich weiss ich nicht, wann ich das nächste Mal Gelegenheit zum Tauchen habe. Heute können wir etwas früher starten, da wir nicht auf die Anfänger warten müssen, bis sie von ihrem ersten Schnuppertauchgang wieder aufgetaucht sind. Wir tauchen fast 40 Minuten entlang an Korallen, durch eine kleine Lavahöhle und zu einer gigantischen Unterwasserschildkröte. Nachdem ich Patty verabschiedet habe, treffe ich mich mit Corina und Bill für ein paar Drinks und Reisestories. Am 26.04.12 ist dann auch für mich der Tag des Abschieds gekommen. Bevor mein Flieger zurück nach Santiago geht, verabschiede ich mich noch von meiner Moai-Gruppe „Ahu Tahai“ und besuche das interessante „Museo Antropológico Sebastián Englert“, das sehr gut recherchierte Informationen über die Geschichte und Kultur der Insel vermittelt. Zum Beispiel über die möglichen Techniken, wie die Moai-Kolosse von der „Rano Raraku“-Moai-Factory quer durch die ganze Insel transportiert wurden. Diese reichen von in der Horizontale liegend auf Holzschlitten gerollt, bis aufrecht in langer Arbeit zu ihrem Standort hin und her gewiegelt. Und dann ist da immer noch die Legende von der Willenskraft der Priester (oder einmal mehr Ausserirdische?), die die Statuen zum Leben erweckt haben, um die Strecke selber zu laufen – einfacher wär’s wohl gewesen. Die Augen der Moai aus weissem Korallenkalk und Obsidian als Iris wurden erst bei ihrer Aufrichtung am finalen Standort bei einer Zeremonie  hinzugefügt und die Statuen so „sehend“ zu machen. Obwohl es heutzutage einfacher wäre als damals (aber dennoch viel Arbeit benötigt), wurden viele der Moai nicht wieder aufgerichtet, da deren Umstossen zur Geschichte der Insel gehört. Am Nachmittag habe ich einen Klotz im Hals, als ich die paradiesisch-mystische Insel bereits wieder verlassen muss. Zu schön, entspannt und interessant war die Zeit hier mit den wundervollen Sonnenuntergängen, dem Rätseln über die Moai und der speziellen Atmosphäre.

Wieder zurück in Santiago, dem politischen und auch in allen anderen Belangen Zentrum Chiles, checke ich selbstredend wieder im  Hostel Plaza de Armas ein, wo mich die Staff noch immer kennt und herzlich willkommen heisst. Den 27.04.12 widme ich, um all meine administrativen Pendenzen zu erledigen (Emails beantworten, bloggen, Frachtschifffahrt organisieren). Yep, diese zeitkonsumierenden Tätigkeiten müssen neben meiner Backpacker-awesomeness auch mal Platz finden.:-) Am 28.04.12 begebe ich mich dann wieder ins Grossstadtgeschehen und gerate per Zufall an eine Immobilienmesse in der “Estación Mapocho“ (kunstvoll renovierter, einstmaliger Hauptbahnhof), wo die Santiagoaner wie wild auf Giveawayjagd sind und die Messestände von Stofftaschen, Kugelschreiber, Luftballons und Bonbons leerfegen. Zugegeben, auch ich kralle mir ein paar dieser, für einen Backpacker höchstpraktischen Stofftaschen. Im Mercado Central, dem geschäftigen Fischmarkt von Santiago, rümpfe ich die Nase, als ich durch schlendere und all die auf Eis gelegten Fische, Krabben und Meerestiere vorfinde. Schnell habe ich das Vegirestaurant „El Naturista“ gefunden, um meinen Appetit wieder anzuregen und für einen soliden Boden für die bevorstehende Pubtour am Abend zu sorgen. Zusammen mit Leuten aus dem Hostel machen wir uns auf den Weg ins Bellavista Ausgangsviertel, wo die Partyleute ihre Laune bei Karaoke aufheizen. Ganz im Stil, wie es zuhause beim Steilgehen manchmal vorkommt, kenne ich erstaunlich viele Leute! So treffe ich z.B. Timo aus Deutschland wieder, den ich vor einem Monat in El Calafate im Hostel kennen gelernt habe. Mittlerweile  hat er seinen Justin Bieber-Look durch eine Glatze ersetzt, um die Teenies von ihm fernzuhalten. In einem anderen Club treffe ich zwei Israeli wieder, die ich vor einer Weile in Chile Chico getroffen habe. Und dann ist da natürlich noch unsere Hostel  Clique  Nataly, Esteban, Carolina, Franciely aus Chile und Viviane aus Brasilien, mit denen ich bis in die frühen Morgenstunden good times habe!
Giveaway-Jäger in Aktion
Pubcrawl-Crew. Finde das Partyanimal!
Justin Ähnlichkeit (Bild von Timo’s Blog)
Esteban, Nataly (Eminem) und Viviane
Finde die 10 Unterschiede:-)

Anti-Hangover-Treatment



Obwohl ich am Tag darauf bis 14 Uhr schlafe, kann ich einen verkaterten Hangover-Sonntag nicht abwenden. Der Fastfoodflash von Pizza und Coke bringt mich wieder halbwegs in die Bahnen – aber für Sightseeing oder anderes Schönwetterprogramm kann man mich heute definitiv nicht gebrauchen. Darum gehe ich früh schlafen, um für meine Weiterreise am nächsten Tag wenigstens wieder fit zu sein.
“Perhaps travel cannot prevent bigotry, but by demonstrating that all peoples cry, laugh, eat, worry, and die, it can introduce the idea that if we try and understand each other, we may even become friends.” – Maya Angelou

Cheers
Alex



Dienstag, 8. Mai 2012

Osterinsel – Picking up the Rapa Nui groove

[Osterinsel (Rapa Nui) 1]

Ich bin sicher, dass jedem, der den Titel „Osterinsel“ liest, zuerst die Steinköpfe aka „Moai“ in den Sinn kommen. Genau dies ist ein Punkt, den ich zumindest seit dem Level 3 „Easton Kingdom“, mit den rollenden Steinen und Moai, vom 1990 Super Mario Land auf dem Gameboy, auf meiner „Bucket List“ habe. Die knapp 4000 km vom Chilenischen Festland entfernte Vulkaninsel hat jedoch noch viel mehr zu bieten, als die merkwürdigen Skulpturen.
Ahu Tautira am Hafen von Hanga Roa
…ohne Worte…
Auf der Osterinsel, oder „Rapa Nui“, wie sie auf der Sprache der Ostereier, äh Rapanuii heisst, ist das Leben noch in Ordnung. Schnell habe ich die relaxte Lebensart, die Offenheit und das Lächeln der Insulaner angenommen. Dank einer gewissen Souveränität von Chile konnte der Vibe einer ozeanischen Pazifikinsel (wie Hawaii oder Fidschi) erhalten werden. Die Geschichte der Insel ist etwas tragischer. Zwischen 450-800 n.Chr. besiedelten die Polynesier die Insel und begannen irgendwann mit dem Errichten der gigantischen Moai, die aber bei blutigen Stammeskämpfen über Territorium und Ressourcen (es gab sogar Kannibalismus) im späten 17. Jahrhundert von ihren Ahu (zeremonie-Plattformen) gekippt wurden. Daher liegen viele der erodierenden Giganten heute auf dem Boden. Erster Kontakt mit Europäern war am Ostersonntag 1722, wo eine Holländische Expedition unter Admiral Jacob Roggeveen die Insel erreichte. Daher der Name Hase.:-) Danach kamen die Franzosen, Nordamerikaner und später Sklavenhändler, welche die Bevölkerung deportierten und bis auf ein paar hundert Rapanuii dezimierten. Die katholischen Missionare in 1870 erniedrigten dann noch die lokale Kultur und die spätere Schafherden-Kolonisierung (zur Wollen-Gewinnung) der Franzosen sorgte für die letzte Ausbeutung der Ressourcen und den Bewohnern. 1888 wurde die Insel von Chile annexiert und 1935 über 1/3 der Fläche zum Nationalpark erklärt. Heute leben etwa 4400 Bewohner auf der Insel, die kulturell mit einem Fuss in Südamerika und einem Fuss in Polynesien stehen. Das einzige Städtchen „Hanga Roa“ zeugt mit seiner Handvoll Restauräntchen, Hostels und Souvenirshops von Moai-, Tauch-, Surf- und Paradiesinteressierten Touristen, deren 50‘000 pro Jahr die Insel besuchen. Pssst… die Rapa Nui ist ein absoluter Geheimtipp. Noch ist die Originalität nicht ganz zerstört – und das ist gut so.

Als ich am frühen Nachmittag des 19.04.12 wiedermal in einem Garten Eden auf Erden – einem zudem sehr mystischen – lande, wird als erstes mein Gepäck inspiziert. Von einem Drogenhund, der mit den Koffern, Paketen und Rucksäcken die Runden auf dem Gepäckband dreht. Ein ulkiges Bild. Es scheint ihn nicht zu stören, dass mein Rucksack nach einem Gemisch von Hühnerkacke und faulen Eiern stinkt. Mich schon! Irgendetwas total Ekliges muss im Gepäckraum des Flugzeugs ausgelaufen sein. Für diejenigen, die meinen Blog verfolgen ist das ja nichts Neues (obwohl lange nichts mehr passiert ist. Knock on wood!). Lonely Planet empfiehlt mir „Residencial Ana Rapu“, wobei ich zugunsten einer gründlichen Rucksackwäsche (mein treuer Begleiter ist übrigens ein Geburtstagsgeschenk zu meinem 30igsten, Danke nochmals!) einen Blitzentscheid treffe. 21‘000 Peso (ca. 40 CHF) sind zwar viel zu teuer, dafür ist ein mickriges Frühstück und das entspannende Geräusch der Wellen inklusive. Die Sonne scheint, das Klima lässt mal wieder kurze Hosen, T-Shirt und Flipflops zu – ein Ort zum Ferien machen! Dank der Zeitverschiebung von 2h gegenüber dem Festland bleibt mir trotz 4h Flug der ganze Nachmittag, um eine neue, günstigere Unterkunft zu suchen, Tauchshops- und Travelagencies abzuchecken und leckere Nudeln in einer Strandbar zu schlemmen. Um vollends in den verchillten Inselgroove zu kommen, sitze ich in Stille bei der nahegelegenen Moai-Gruppe „Ahu Tahai“ und sehe zu, wie die Sonne langsam im Meer versinkt und den Himmel in alle möglichen Farben tunkt.
Drogeninspektion am Flughafen
Shooting für Werbeplakat-Baer war dabei 






Magischer Sonnenuntergang…
…bei Ahu Tahai
Im Hostel „Miru“ bei der herzlichen Sandra, die man ohne Weiteres als Mutterersatz bezeichnen könnte, checke ich am 20.04.12 ein und habe ein Sauglück, dass die Dorms ausgebucht sind und ich ein luxuriöses Zweierzimmer (inkl. eigenem Bad!) zum Dorm-Schnäppchenpreis von 10‘000 Peso (ca. 20 CHF) bekomme. Das beabsichtigte Tauchen an diesem Tag fällt ins Wasser, da zu starker Wellengang herrscht. Mein Plan B ist schnell evaluiert: Drahtesel mieten und die Insel erkunden. Das etwas bewölkte Wetter ist perfekt, denn auf der grünen Grasinsel gibt’s fast keine schattenspendenden Bäume. Meine Tour um die nördliche Inselroute führt mich zuerst zu „Puna Pau“ (kleiner Vulkankrater, wo die Haarknoten/Hüte der Moai aus Stein – so schwer, wie zwei Elefanten – gehauen wurden), dann – gottseidank, es geht bergab – zu „Ahu Akivi“ (sieben enigmatische Moai blicken auf die weite See heraus und bei Tag- und Nachtgleiche stehen sie direkt im Mittelpunkt des Sonnenuntergangs). Das Schöne – nebst den eindrücklichen Steinköpfen und der sagenhaften Natur – ist, dass weit und breit beinahe kein Tourist in Sichtweite ist. Weitere Sehenswürdigkeiten auf meinem Ausflug sind „Ana Te Pahu“ (Lavahöhlen, wie ich sie schon im Craters of the Moon Nationalpark im Bundesstaat Idaho in den USA gesehen habe) und „Ana Tepeu“ (archäologische Stadtruinen und umgekippte Moai). Ich strample weiter über die holprige, mit Schlaglöchern durchzogene Naturstrasse, entlang der rauen Küste, vorbei an weiteren Lavahöhlen und Moai zurück nach „Hanga Roa“, wo ich nach einer bitternötigten Empanada und eiskalter Goggi-Erfrischung, bei den Tahai’s abermals dem fantastischen Sonnenuntergang beiwohne.
Who's Moai?
Umgekippt
Can't get enough!
Ahu Akivi & The Baer
Etwas waghalsig

Ahu Akapau & The Wave
Die Augen des Moai…

Selbstverständlich ist 20 Uhr zu spät, um mein für einen Tag gemietetes Fahrrad zurück zu bringen; obwohl der Shop bis dann offen sein sollte. Leute, hier herrscht ein anderes Zeitgefühl! Null problemo, für einen kleinen Aufpreis am nächsten Morgen, kann ich mein Drahtesel noch um einen halben Tag verlängern, um, flink in die Pedalen getreten, meine  Morgensport-Tour zu den „Ahu Vinapu“ anzutreten. Die vorbeibrausenden Touristenbusse wirbeln zwar viel Staub in die Fresse des keuchenden Baer, aber das grösste Hindernis heute scheinen die verdammten Strassenhunden zu sein! Kurz vor dem Schauplatz mit den an die Inkakultur (!!!) erinnernden mörtellosen, aber makellos aufeinandergeschichteten Moai Plattformen (und den umgekippten Moai) werde ich von zwei aggressiv bellenden Kötern regelrecht gehetzt. Mein „Gschhhhht“ befreit mich nicht davon stärker in die Pedale zu treten – und dann geht’s erst noch Bergauf! Schweissüberströmt komme ich an der an einer Brandung gelegenen Stätte an, die blutrünstigen Bastarde zum Glück abgehängt. Ich überlege mir schon, wie ich auf dem Rückweg die fiesen Wegbelager austricksen könnte (mein einziger Joker sind meine stählernen Waden und die Kekse im Rucksack). Von weitem höre ich sie bereits kläffen, da finde ich gottseidank eine Alternativroute zurück ins Dörfchen. Diese führt mich noch an „Ana Kai Tangata“ (Lavahöhle mit Höhlenzeichnungen) und gigantischen, killerwellenbrechenden Klippen vorbei. Den Rest des Tages nehm‘ ich es gelassen. Gemütlich und an nichts Böses denkend, spaziere ich zu meinen Tahai-Moai für das abendliche Sonnenuntergangsprogramm. Als gebranntes Kind ignoriere ich die unterwegs lauernden (zumeist friedlichen) Strassenhunde selbstbewusst. Zumeist! Nichts ahnend schlendere ich der Küste entgegen, da höre ich hinter mir, wie sich ein Köter anschleicht. Ich drehe mich nicht um und wiege mich in einer offensichtlich falschen Sicherheit. Denn plötzlich schnappt seine scharfe Schnauze nach meinen Flipflops, nur wenige Zentimeter von meiner Ferse entfernt. Knurren und Bellen folgt. „Gschhhhht“ zische ich in aggressivem Ton und gottseidank pfeift von weiter hinten eine einheimische Polynesin, die auf dem Fahrrad entlang kommt und den Drecksköter von seinem Vorkommen abhält, mich zu zerfleischen. Die Kulisse des Sonnenuntergangs vor den Steinköpfen ist einmal mehr gigantisch und bringt mich auf andere Gedanken, obwohl ich beim Nachhauseweg bei jedem Hund zusammenzucke.
Inka-Kultur-Artige-Mauer
Passendes Schild zum Hund
Für den etwas grösseren Loop, die Nordostroute, buche ich am 22.04.12 eine Tagestour mit Guide, um von ihm die letzten Information über die geheimnisvolle Kultur der Rapanuii heraus zu kitzeln. Unsere Tour führt uns zuerst zu „Vaihu“ (acht umgekippte Moai und deren Haarknoten/Hüte liegen auf dem Boden), danach zu „Ahu Akahanga“ (ebenfalls beim Stammeskampf umgekippte Moai) und zum atemberaubenden „Ahu Tongariki“ (15 majestätische Moai thronen an der Küste). Dank einem japanischen Grossprojekt wurden diese 15 Moai, welche 1960 von einem Tsunami umgeworfen wurden, zwischen 1992 und 1995 wieder aufgestellt…dafür gibt’s nun in Hanga Roa ein Sushi-Restaurant und im Supermarkt ein Regal voller asiatischer Instant-Nudeln.:-) Beim Stopp bei „Rano Raraku“, wo die Moai aus dem Vulkangestein gehauen wurden, wandere ich in Staunen zwischen unzähligen halbgefertigten und zum Abtransport bereiten Moai. Unweigerlich überkommt mich das Gefühl der Legende, dass die Steinfiguren hinter meinem Rücken urplötzlich von Aliens auf magische Weise zum Leben erweckt werden und anfangen zu laufen. Danach geht’s noch zu „Ahu Te Pito Kura“, dem grössten (fast 10m grossen) Moai, der ebenfalls mit dem Gesicht zu Boden liegt. Ein weiteres interessantes Feature hier, ist der „Nabel der Welt“, ein Stein der magnetisch ist (die Kompassnadel spielt wirklich verrückt hier!). Ihm wird magische Kraft zugesprochen. Selbstverständlich berühre ich ihn, um mich mit super-charged-energy aufzuladen. Der letzte Halt ist beim Strand „Anakena“. Zeit zum Baden, unter dem verchillten Kokosnuss-Hain zu dösen und die Moai „Ahu Ature Huki“ und „Ahu Nau Nau“ zu bewundern.
Chillende Moai
Ahu Tongariki in its glory

Where is the Baer now?
Bei Rano Raraku einmal ohne…
…und einmal mit Baer
Schöne Aussichten am Kratersee ;-)
Supercharged-Baer
Der Palmenwald…
…und die Ahu Nau Nau

Am heutigen Abend (mein einjähriges Reise-Jubiläum übrigens) lasse ich mein tägliches Sonnenuntergangsprogramm zugunsten des Blogs für einmal aus. Bei Remembertrance und inspirierendem, chilenischem Rotwein zelebriere ich und tippe diese Zeilen und hoffe, dass sie nach dem Gusteau meiner treuen Whereisthebaer-Fangemeinde kommen.:-)

"[They] seemed to be triumphing over us, asking: 'Guess how this engineering work was done! Guess how we moved these gigantic figures down the steep walls of the volcano and carried them over the hills to any place on the island we liked!'" – Thor Heyerdahl
 In dem Sinne Cheers
Alex aka „The Baer“

PS: Nach meinem Sankt Gallischen-Slang „Affääschnörhli“ habe ich mir zu Abwechslung wieder mal ein mexikanerhaftes Gigolo-Schnäutzchen rasiert. Freiheit!;-)

Samstag, 5. Mai 2012

Hexen, Geisterschiffe und Gnomen in Chile


[Castro – Puerto Varas – Santiago de Chile 1]

Wir schreiben den 14.04.12. Will und ich kommen nach einer gemütlichen Busfahrt durch die regnerische Gegend von „Norte Chico“ nach einer sanften Überfahrt mit der (yepee) WIFI-bestückten Autofähre auf die „Isla Grande de Chiloé“, der  zweitgrössten Insel in Südamerika, in Castro an (Tipp von Elena und David). Lonely Planet schwafelt etwas von „culture that is based on a distinctive mythology of witchcraft, ghost ships and forest gnomes“. Mal schauen…

Wenn man auf der Insel Chiloé nur eine Stadt besuchen soll, dann ist es Castro. Sie beherbergt nämlich alle Idiosynkrasien und Attraktionen des hiesigen Breitengrades: mildes (wechselhaftes) Klima, drittälteste (permanent bewohnte) Stadt Chiles, prächtige Holzkirchen (UNESCO Weltkulturerbe) und Palafitos (bunte Pfahlbauten-Häuser der Fischer an der Küste). Gerne hätten Will und ich die versprochenen Hexen, Geisterschiffe und Gnome im benachbarten Nationalpark Chiloé mit eigenen Augen gesehen, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die erste Nacht verbringen wir in einer schäbigen Unterkunft mit noch schmutzigerem Klo (so eklig, dass wir weder duschen, noch sonst ein Geschäft erledigen). Daher beschliessen wir am 15.04.12 umzuziehen und folgen dem Ruf des Lonely Planets, wo wir uns im „Hospedaje Mirador“ für nur etwas mehr Geld mehr Sauberkeit (blitzblankes Klo) und mehr Komfort (Küche zum benutzen) leisten. Im Anschluss besichtigen wir die Stelzenhäuser (Glück, wir erwischen ein Moment, wo die Sonne scheint) und die Holzkirche „Iglesia de San Francisco“ auf dem Plaza de Armas (innendrin ist alles aus Holz getäfert). Dann wird das Wetter zusehends schlechter und wir beschliessen, wenns um 14 Uhr bewölkt ist, den Nationalpark auszulassen und dafür den Rest des Tages im Zimmer zu chillen. Dem ist dann auch so… Zum Wetter in Castro möchte ich noch folgendes bemerken: Total wechselhaft, meistens auf der einen Seite des Himmels bewölkt und auf der anderen Sonnig oder vice versa. 
Stelzenhäuser von Castro als Graffiti…
…und in real Life!
Mal schauen, ob wir die ominösen Xanthippen-Schemen-Kobolde (=Hexen-Geister-Gnome) eventuell auf dem Festland finden. Darum fahren wir am 16.04.12 von Castro zurück nach Puerto Montt und von dort nochmals 25 Minuten nach Puerto Varas, in eine grad ganz andere Welt mit ihrem charmanten Lago Llanquihue, dem pro-touristischen Setup und der freundlichen Atmosphäre. Die sogenannte Rosenstadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge um den Llanquihue-See und zu den Vulkanen Osorno und Calbuco.  Zuerst machen wir eine self-guided Citytour durch die Stadt, wo Deutsches Kulturerbe (Häuser von Deutschen Einwanderer aus dem frühen 20. Jahrhundert) und neuzeitige chilenische Kunst (das verrückte Pablo Fierro Muesum mit Kunst und Krempel) und Kultur (Rosengärten, Kleinstadtleben) nebeneinhergehen. Diesmal ist es Will, der sagt, als wir an der Küste entlang laufen:“Ich war zwar noch nie im germanischen Europa, aber so stelle ich mir das etwa vor“. Ja, die Umgebung hat etwas. Nicht zu vergessen sind die Strassenhunde, welche sich entweder vor vorbeifahrende Autos stellen, waghalsig erst in letzter Sekunde wegspringen und ganz wild hinterherrennen und –bellen. Als zweiten Spass folgen sie den Touristen und hoffen auf einen Snack oder eine Pose auf dem Urlaubsfoto (wohl eher das Erstere).  Tags darauf geht unser Nachtbus von Puerto Montt nach Santiago. Wir haben aber noch perfekt Zeit, um die Tour zum Vulkan Osorno zu machen. Als wir jedoch aus dem Fenster schauen und Regen sehen, beschliessen wir uns einmal mehr fürs Chillen und ich habe Zeit, meine Weiterreise zu planen. Da dies heute meine wohl letze längere Busfahrt auf der Reise ist, beschliesse ich nochmals Super-dooper-cama mit waagerechtem Schlafkomfort zu lösen. Der Preis liegt über Will’s Reisebudget, darum zahle ich ihm den Aufpreis für den tiefen Schlaf.
Puerto Varas Stadttour Schnappschuss...
…und Deutsches Kuschel Haus :-)

Farbenfrohes Ufer von Puerto Varas…
..und was ich euch schon immer sagen wollte
Museum vom Künstler Pablo Fierro…
…und die beiden mehr- oder weniger Künstler
Santiago ist weit entfernt von mythischem Gedönse, daher muss ich den sagenhaften Blogtitel leider entschärfen (aber jetzt seid ihr ja eh fast am Ende und könnt drum auch grad noch fertig lesen).:-) Dafür ist der Vibe dieser Stadt top – nicht nur, weil uns der herbstlich-sonnig-warme Morgen des 18.04.12 empfängt. Auch wenn Santiago schlechtere Luft, als Buenos Aires hat, weniger Abwechslung, als Mexiko Stadt bietet, nicht so Pura Vida, wie San José ist und keine Küste, wie Lima aufweist kann die Stadt mich schon von Anfang an von ihrer Grossartigkeit überzeugen. Zuerst das heitere Wetter, dann mit  unserem Hostel Plaza de Armas, das sauber und preiswert ist und direkt über dem Plaza de Armas, dem pulsierenden Herzstück der Stadt liegt. Obendrauf gibt’s noch eine Free City Tour, die jeden Tag um 10 Uhr auf dem Plaza de Armas startet – passt zeitlich perfekt. Die vierstündige Tour bringt uns durch die Viertel Downtown, Lastarria und Bellavista…und halt… ist das nicht Krushi aus England, den ich am 21.03.12 in Puerto Madryn im Hostel kennen gelernt habe… in der Tat! So trifft man sich wieder… Franco, unser Tourguide erzählt uns viele informative und lustige Geschichten über Santiago. Zum Beispiel, dass die Strassenhunde hier allen gehören und eine gewisse Prozentzahl der Steuern für deren Unterhalt verwendet wird und sie im Winter von den Leuten manchmal T-Shirts und Mäntel angezogen bekommen. Am Nachmittag gönnen wir uns ein weiteres Highlight von Santiago: „Café con piernas“ übersetzt „Kaffee mit Beinen“! Um in den 90er Jahren den Kaffeekonsum anzukurbeln wurden Kaffeebaren geschaffen, wo ausschliesslich Frauen in Bikini und Strings den Espresso servieren (kein Alkohol, sondern lediglich günstigen Espresso…tsss…wer geht denn schon zu Starbucks?!) Hat man Glück, erwischt man die „Happy Minute“, wo dreimal am Tag die Türen abgeschlossen werden und eine 1-minütige Strip-Show geboten wird. Guess what?! Nein, Krushi und ich kommen leider nicht in den Genuss eines Strips, sondern wir diskutieren bei einem Kaffee zwischen Geschäftsleuten und braven Touristen unsere berufliche Zukunft nach der Reise.
Ausblick auf den Plaza de Armas von der Hostel Terrasse
Impressionen…
…City Tour…
…Santiago
Free Tour Nuts4Nuts Story*
Eins mit Sahne, Will und Krushi
Coffee with Legs (verdunkelt)…
…hier die Soft-Version
Zum Farewell-dinner gehen Will, Krushi, Emma (aus Australien) und ich zur Feier des Tages auswärts Essen. Will bricht’s fast das Herz. Nicht, weil wir nach zwei Wochen gemeinsamem Reisen getrennte Wege gehen, sondern weil wir in einem chinesischen Restaurant einkehren. Seine Nudeln schlürft er nach heimischer Tradition mit Wohlgenuss und hängt mit Gedanken melancholisch in seiner Vaterland (er ist bereits seit 1.5 Jahren am Reisen). Die bestellte Flasche chilenischer Wein zum Spottpreis und lustige Spiele, die man aus dem Klassenlager kennt (nein, nicht Flaschendrehen), heitern den Abend aber schnell wieder auf und wir kommen auf die dumme Idee am Kiosk weitere Flaschen Wein zu kaufen und im Hostel sowas, wie Montagsmaler spielen. Gerade mal 1h habe ich geschlafen, als ich in der Ferne meinen Wecker klingeln höre, mit dem Gepäck zum Flughafentaxi torkle und mir wünschte, ich wäre gestern etwas gescheiter gewesen.:-)

Obwohl ich weder ein Anzeichen von grusligen Hexen, noch von verkappten Piraten auf Geisterschiffen gesehen habe, waren die vergangenen Tage ein entspanntes und interessantes Highlight auf meiner Reise. Mein Abenteuer geht am 19.04.12 weiter, auf die im Sinne von Mystik weitaus mehrversprechende Osterinsel…
“Your true traveler finds boredom rather agreeable than painful. It is the symbol of his liberty-his excessive freedom. He accepts his boredom, when it comes, not merely philosophically, but almost with pleasure.” – Aldous Huxley

 Cheers
Alex

*Vom Erdnussverkäufer zum Millionär, wenn ich richtig aufgepasst habe.:-)