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Montag, 9. April 2012

Am Ende der Welt


[Ushuaia – El Calafate – El Chaltén]


Wenn ich an die Heimat in der Schweiz denke, fällt es mir schwierig vorzustellen, wie dort langsam Frühling wird, während ich weiter südlich in windige, herbstlich-kühle und gelb-rot gefärbte Regionen vordringe. Ich geniesse jedoch den Temperaturkontrast zu Iguazú oder Buenos Aires und es geht mir nach wie vor supergut und ich bin glücklich – auch wenn ich mein Zuhause zeitweise selbstverständlich vermisse. Was mir am meisten fehlt sind meine Familie und Freunde, mein F6-Zuhause, das Essen (inkl. Kochen), die heimischen Parties :-), das Fitnessplus und – ja ihr lest richtig – etwas auch ein geregeltes Arbeitsleben. Was ich beim Reisen am meisten schätze, ist der konstante Feed von neuen Eindrücken, Kulturen und Abenteuern, das Leute kennenlernen, das Gefühl vom frei sein und selbstredend alle News von Zuhause.;-)

Die 31h Busfahrt am 24.03.12 von Puerto Madryn Richtung Süden, entlang der Ostküste von Patagonien ist öde, aber beflügelnd für tiefe Gedankengänge. Endlos flache, steppenartige Pampa (soweit das Auge reicht), kilometerlange Zäune entlang der Strasse (wer die wohl alle gebaut hat?) und die Tafel an der Strasse zeigt Ushuaia 1100km (während Vin Diesel fast&furious über den Bildschirm flimmert). Diesmal habe ich nur Cama gebucht, das heisst 180° Schlafkomfort in halbliegender Position. Der servierte argentinische Snack ist alles andere, als vegetarisch… zum Glück betreibe ich mein in Indien von Hanna und Theresa angelerntes on board Self-Catering mit leckerem Sandwich, Chips und Keksen. Am Morgen früh in Rio Gallegos wechsle ich den Bus nach Ushuaia und döse durch die immer schaler werdende Gegend, bis wir an die chilenische Grenze kommen. Den Zoll-Papierkram im Bus ausgefüllt (zum Glück hab ich die erforderlichen Papiere noch in Rio Gallegos organisiert), die Äpfel rechtzeitig weggeworfen (Chile ist strikt mit der keine-Früchte-Käse-Fleisch-Importpolitik), verläuft der Grenzübertritt reibungslos… Als ich nach dem Passstempeln in den Bus zurück kehre, sehe ich jedoch grad, wie der Grenzhund an meinem Self-Catering Säckchen schnüffelt… Fuck, ich hab ja noch ein Käsesandwich drin! Der Grenzwächter lässt fünf gerade sein (ist aber wohl etwas neidisch, weil ich so ein gutes Brötchen hab). Weiter geht die Fahrt. Die Steppe ist etwas hügliger und beherbergt nun viel Gras, unzählige Schafe, vereinzelt Lamas und Füchse. Unverändert säumen Zäune den Weg und ich vertreibe die Zeit mit Schlafen, Sinnieren, Musikhören und Hörbüchern… In der Region „Tierra Del Fuego“ erheben sich, je südlicher wir kommen, hohe, teils schneebedeckte Berge in den Schönwetterhimmel, moosbehangene Wälder säumen die Strasse und selbstverständlich Zäune… nach einem wunderbaren Sonnenuntergang komme ich am Abend des 25.03.12 fix und fertig von der langen Reise im frischen Ushuaia, am Ende der Welt an. Ushuaia hat etwa 70‘000 Einwohner und ist DER Ausgangspunkt für Antarktis-Expeditionen. Das letzte Schiff für diese Saison ist jedoch bereits in den See gestochen, daher steht für mich die luxuriöse Versuchung (last Minute ca. 4000 USD) gar nicht erst zur Diskussion.
Grenze zu Chile: Nicht nur
bei mir ein Auge zugedrückt
Mit Jessi+Ayla zum Ende der Welt

In meinem Zimmer im Freestyle Hostel ist Jessi (die Freundin vom "Philipp":-)) aus Deutschland. Fast auf Anhieb verstehen wir uns super.;-) Aller guten Dinge sind drei… so stösst am nächsten Morgen Ayla (ebenfalls aus Deutschland) hinzu und wir beschliessen spontan zusammen eine Bootstour auf dem grau-blauen „Beagle Channel“ zur Seelöwenkolonie auf der „Isla de los Lobos“ zu machen. Jessi bemerkt Running-gag-mässig passend: „Die Tiere sind soooooo süssss!“:-) Die Gegend mit  dem Meer und rundum die schneebedeckten Bergspitzen erinnert mich total an den good ol‘Zürichsee. Aber auch Ushuaia selbst hat etwas – nicht nur wegen dem kalten Klima – von einem touristischen Alpendorf: Aalglatte Kleiderboutiquen, Uhrenläden und Souvenirshops in holzigen Häusern, etwa, wie sie in Zermatt oder St. Moritz zu finden sind. Später am Abend stösst noch Simon aus Australien zu unserer Truppe und zur Feier des Tages „kochen“ wir einen leckeren Royal Salad.
Der Leuchtturm im Zürichsee?
Vogelzuschauer beim Robbenkonzert
Seehund-Tauchspass
Fast, wie zuhause

Während die organisierte Ayla am 27.03.12 auf ihre Pinguinentour geht, schlüpfen Jessi, Simon und ich in unsere Hiking-gear und machen uns auf zum „Parque National Tierra del Fuego“ für eine gemütliche Wanderung durch den Hänsel und Gretel Wald. Die 5h auf dem gut markierten „Sendera Costera“-trail vergehen wie im Flug, während wir herum blödeln, uns Stories erzählen und im vermeintlichen Windschatten unsere mitgebrachten Sandwiches essen. Die in Sonnenschein gehüllte, herbstliche Gegend mit Schneebergen als Kulisse ist wunderschön…und…wart mal…sie erinnert mich irgendwie an die Schweiz!:-) Ein leckeres Abendessen und mein südlichster Rum+Coke im Irish Pub am Ende der Welt (leider ist es nicht das südlichste Pub der Welt, denn dies ist in einer ukrainischen Forschungsstation in der Antarktis) runden den grossartigen Tag ab.
Südlichste Poststelle der Welt
Znünipause mit Jessi+Simon
Das goldige Wetter am 28.03.12 schreit regelrecht nach einer weiteren Wanderung. Bis Jessi, Simon und ich uns entschieden ;-) und ohne Kontamination die Wanderschuhe angezogen haben ;-), ist es bereits Mittag. Das Taxi bringt uns bis zur „Aerosilla“, dem Sessellift, den wir aber links (also eigentlich rechts) liegen lassen und den steilen Aufstieg zu Fuss beginnen. Mit der Zeit ziehen Wolken auf und der eisige Wind fegt uns fast vom Weg. Auf dem Plateau angekommen haben wir ein top Panorama auf Ushuaia, den Beagle Channel und weiter oben sehen wir den Gletscher. In Anbetracht der Kälte, des Windes und des leichten Regens machen wir uns jedoch auf den Abstieg. Im King Crab-Restaurant gibt’s ein Farewell-dinner für Ayla, die wir nur schweren Herzes zurück nach Buenos Aires fliegen lassen. Ayla, Jessi und Simon gehören zu dem Typ von Reisegefährten, von denen der Abschied schwer fällt, obwohl wir uns erst ein paar Tage (und doch so gut) kennen. Es gibt Konstellationen, da stimmt die Chemie einfach und man wünscht sich, man hätte die gleiche Reiseroute.
Herbstwald auf dem Weg zum Gletscher
Es ist kalt…

..und windig..

Keksmonster von Glaciar Martial



Farewell von Ayla
Am Morgen des 29.03.12 verlässt uns auch Jessi, die Ayla in Buenos Aires wiedertrifft um mit ihr zusammen nach Iguazú zu gehen. Simon und ich frönen einem Chillout Tag in der angenehmen Wärme der Hostelwände. Als wir noch eine Nacht verlängern wollen, müssen wir erfahren, dass das Freestyle Hostel komplett ausgebucht ist. Der Besitzer fasst sich jedoch ein Herz und lässt uns im Etagenbett des TV-Zimmers übernachten, wo wir die belgischen Mädels verscheuchen, die America’s Got Talent schauen (meines Erachtens eh kein grosser Verlust). Der Bus die zurück via Rio Gallegos (12h) nach El Calafate (nochmals 4h) geht bereits in aller Herrgottsfrühe um 5 Uhr des 30.03.12. Kaum habe ich nun auch noch Simon verabschiedet, lerne ich im Bus nach El Calafate Almut aus Deutschland, Alicia aus Australien und Sean aus den USA kennen. Im sehr touristischen El Cafélatte…ääh…Calafate checke ich im gemütlichen I Keu Ken Hostel ein. Das warme Wohnzimmer, die freundliche Atmosphäre und die chilligen Sofas vor der Panoramascheibe, mit dem Ausblick auf den türkisblauen Lago Argentino, laden zum verweilen ein. Am 31.03.12 machen wir einen Ausflug zum „Perito Moreno“-Gletscher, Hauptattraktion der Region. Trotz Sonnenschein sind die Temperaturen (vor allem der Wind) eiskalt und ich wünschte mir eine warme Daunenjacke. Das Boot bringt uns nahe zum gigantischen, türkisblau schimmernden Gletscher heran, der sich täglich mehrere Zentimeter fortbewegt und wir werden mehrmals Zeuge, wie Gletscherteile mit Getöse ins Wasser abbrechen. Auch die Sicht bei den gut angelegten Aussichtsplattformen ist majestätisch – wär da nicht dieser eiskalte Wind. Und prompt hole ich mir einen Schnupfen! Mein Highlight des Tages ist aber ein viel bescheideneres, dafür umso herzlicheres Vergnügen: Ein Skype-Telefonat mit Jay und meinen F6-Ladies, die gerade zuhause im Bolero nach guter, alter Manier steil gehen.:-) Miss youuuuu!
Bootsfahrt zum Gletscher…
…tosend bricht ein Stück ab
Auch die Aussicht von oben ist grandios..
…speziell diese!:-)

Die nächsten zwei Tage gilt „dolce far niente“. Im Hostel lerne ich Elena und David aus Deutschland kennen, die ebenfalls am Abend des 02.04.12 nach El Chaltén fahren. Die etwas teurere Busgesellschaft gewählt, witzle ich vor der Abfahrt noch, dass ich ihnen dann zuwinken werde, wenn ich sie mit meinem luxuriösen, neuen Bus überhole. Und prompt auf dem Weg hat mein Bus eine technische Panne und wir bleiben etwa 1h stehen, während Elena und David an mir vorbeifahren und vor mir im 3h entfernten El Chaltén ankommen. Als ich müde und deprimiert wegen dem Regen und starken kalten Wind im Busterminal von El Chaltén einfahre, warten Elena und David auf mich und offenbaren mir, dass sie mir das letzte verfügbare Zimmer im Condor de Los Andes reserviert haben. Ein herzlicher Zug, den ich niemals vergessen werde!  Daaaanke!!! El Chaltén, am 12 Oktober 1985 gegründet, und somit Argentiniens jüngste Stadt, ist ein Mix aus Wildwestkaff und Alpendorf und Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy. Die vielen Hostelbaustellen, Trekkingshops, Schokoladen- und andere Souvenirläden zeugen davon, dass der Tourismus Haupttreiber ist – aber nur im Sommer! Ende April werden über Winter die meisten Aktivitäten „auf Eis gelegt“ und es harren nur noch ein paar Hundert Leute die kalten Temperaturen aus.
Willkommen in El Chaltén..
..und beim Fitz Roy

Das Wetter am 03.04.12 ist – abgesehen von den eisigen Windböen, die über die schneebedeckten Berge fegen – wieder strahlendblau und wir fühlen uns total ready für eine Wanderung zum prächtigen Fitz Roy-Gebirge mit seiner rauen Wildnis und den Hai-Zahn-Gipfelartigen Bergen. Nachdem wir ins Albergue Patagonia Hostel gewechselt haben, werden wir am Mittag vom Minibus abgeholt und zur Kreuzung bei „Hosteria El Pilar“ gebracht. Von dort beginnt unser 5h Trekking entlang des Flusses Rio Blanco zum Glaciar Rio Blanco und entlang des Fitz Roy‘s zurück nach El Chaltén – zunächst noch in der Sonne. Nach etwa 15 Minuten ziehen Wolken auf, die die Gegend in Grau hüllen und später für peitschenden Nieselregen sorgen; selbstverständlich immer begleitet von starkem, eisigem Wind. Während wir uns die Spitzen des Fitz Roy vorstellen und durch wundervolle herbstlich-rote Wälder wandern, lassen wir uns den Spass nicht verderben und ich bekomme fachmännische geologische Aufklärung von Elena und David über Zerr- und Nährgebiet des Gletschers, bis zur tiefgründigen Kunst der Wort-falsch-Interpretation (habe ich jetzt grad „kommen“ geschrieben?).:-)
Noch zeigt sich der Fitz Roy..
..beim Posen am Gletscher ist alles grau
Am nächsten Tag ist das Wetter wieder perfekt, doch wir gönnen uns einen faulen Tag im Hostel, kochen lecker und planen die Weiterreise. Nun gibt’s nur noch das Problem unserer Bleibe zu lösen, denn unser Bus geht am 06.04.12 um 03.50 und wir wollen keine zusätzliche Nacht bezahlen. Dank unserem vorbildlichen Einschleimen bei der superfreundlichen Staff im Hostel (galant die Küche putzen, aufmerksam das abgezogene Bettlaken zurückbringen), dürfen wir – pssst…gegen die Regel des Besitzers – den ganzen 05.04.12 im geheizten Gemeinschaftsarea verweilen, bis unser Bus fährt. Nicht nur wegen der liebenswürdigen Staff, sondern auch wegen der Stimmung, Sauberkeit, Preis-Leistungsverhältnis und der gemachten Betten am Morgen, kann ich die Albergue Patagonia sehr empfehlen! Keine fünf Minuten im kuschligwarmen Bus, schlafe ich ein und schlaf-döse beinahe die ganzen 13 Stunden öde Fahrt nach Los Antiguos durch (das ist etwa einem Lotto 6er gleichzusetzen). Dort angekommen verabschiede ich mich von meiner super Reisebegleitung Elena und David – auf ein baldiges Widersehen entweder unterwegs oder spätestens zuhause in Deutschland oder in der Schweiz. Ihnen stehen nochmals 14h Busfahrt bis nach Bariloche bevor und ich versuche noch am selben Tag die Grenze nach Chile zu überqueren.
“Not all those who wander are lost.” – J. R. R. Tolkien
Cheers
Alex 

Mittwoch, 4. April 2012

Patagonien – Ab in den Süden!


[Puerto Madryn – Reserva Provincial Punta Tombo – Gaiman – Península Valdés]

Früh am Morgen des 21.03.12 kommen Mike und ich nach ca. 18h Fahrt in Puerto Madryn an. Wir fühlen uns, wie durchgekaut und ausgespuckt. Cama ist halt eben doch nicht der gleiche Schlafkomfort, wie Supercama – oder wars gar etwas zu viel Wein im Bus gestern Abend? Der Besitzer des Hi Patagonia Hostels empfängt uns aber in so einer guten Stimmung und mit frisch gebrautem Kaffee, so dass die üble Morgenlaune bald vergessen ist und wir uns auf den Weg machen das Städtchen zu erkunden. Puerto Madryn ist Ausgangspunkt für das Naturschutzgebiet Península Valdés und geprägt vom Tourismus. So reihen sich Travel Agencies, Hotels und Restaurants aneinander und von Juli bis September wagen sich die heimischen Walfische sogar so nah an die Küste heran, dass man deren Gesang an der Küste hören kann. Nun gut, es ist erst März, daher müssen wir uns auf die Touristentouren verlassen, um mit den ansässigen Tieren in Kontakt zu treten.

Als erstes mieten wir gleich mal ein Fahrrad, beschmieren ein paar leckere Sandwiches (wovon wir die Hälfte bereits im Hostel verschlingen) und treten heftig in die Pedale zum 18km entfernte Punta Loma, wo es anscheinend eine Seelöwenkolonie zu bestaunen gibt. Auf der ganzen Fahrt peinigt uns ein schroffer Gegenwind. Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Vorderrad meines Drahtesels die ganze Zeit Luft verliert und ich ständig anhalten und pumpen muss. Auch die schottrig-sandige Strasse und die öde flache Steppenlandschaft geben nicht viel Segen ab. Und naja, beim Punta Loma hält sich die Begeisterung in Grenzen: Von einer Aussichtsplattform kann man auf die grunzenden und röhrenden Seelöwen herunter glotzen. Viel mehr erfreuen wir uns am Rückenwind auf dem Nachhauseweg. Der Tagesausflug zu Südamerikas grösstem Pinguin Nistplatz „Reserva Provincial Punta Tombo“, mit über einer halben Million Pinguine, beginnt am 22.03.12 bereits um 7 Uhr in der Früh. Die 180km lange Autofahrt verbringe ich hauptsächlich mit Schlafen – genau das, was viele der Pinguine auch tun, wenn wir ankommen. Die meisten schlafen oder chillen ganz gemütlich in der Sonne, andere watscheln für ein kühles Bad Richtung Meer und hie und da veranstalten sie ein verdriessliches Krächzkonzert. Weil Pinguine nicht frontal sehen können, verrenken sie immer ganz ulkig den Kopf, wenn man nahe an ihnen vorbeiläuft.
Im Land der Pinguine wird…
…herumgewatschelt…
…in der Sonne gekuschelt…
…und herzzerreissend geschrien
Whasssssup?

Mit Mike an der Atlantikküste



Auf dem Rückweg macht unser Tourbus einen Stop in Gaiman, einer der ersten Walisischen Siedlungen aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, das für seine Nachmittagstee- und Kuchentradition bekannt ist. Faktisch heisst das, dass hier Touristen mit ihren Bussen hin gekarrt werden und dann aus Sympathie oder Teeliebe in den Teehäuser das 75 Peso (ca. 16 CHF) teure Treatment erhalten: Tee und Kuchen. Beim Blick in so ein Teehaus bestätig sich meine Annahme: Ein paar Touristen-Omis sitzen am Tisch, trinken Tee und schmausen an einer cremigen Torte, während Schnulzenmusik läuft – die Locals können sich den Spass nicht leisten. Auch Mike und ich ziehen einen Spaziergang durchs langweilige Dörfchen der teuren Teatime vor. Wieder zurück in Puerto Madryn gehe ich am Beach Joggen, während die Sonne untergeht und den Himmel in sämtliche Pastellfarben hüllt. Quality Time! Das Wetter hier in Patagonien ist schon ziemlich herbstlich und ich geniesse die Frische im Vergleich zum heissen Buenos Aires.

Am 23.03.23 steht ein weiterer Tagesausflug an. Diesmal brettern wir mit dem Mercedes Bus wieder etwa 200km nach „Península Valdés“, eines der besten südamerikanischen Naturreservate. Die Touristen kommen hier her, um Seelöwen, Seeelefanten, Guanakos (sowas, wie Lamas), Pinguine und andere Vögel zu sichten. Auf unserem Trip sehen wir all diese Tiere, denn sie scheint es nicht zu kümmern, dass gerade Touristen-Nebensaision ist. Eine viel grössere Attraktion sind die gigantischen Glattwale, die manchmal in Küstennähe auf Jagd nach Seelöwenbabys gehen, welche in dieser Jahreszeit grad Schwimmunterricht nehmen. Schon seit Wochen positionieren sich Touristen und National Geographics Fotografen in der Gegend, ohne nennenswerte Sichtungen. Just, als wir beim Punta Cantor ankommen und unsere 2h-Sightseeing Pause machen, tauchen die Meeresgiganten auf und es schwimmen gleich fünf Tiere in Küstennähe vorbei. Na das nenne ich einen Glückstreffer!
Gespanntes Warten…
..und siehe da, taucht ein Glattwal auf..
..leider gibt’s kein Mittagessen
Enjoy Strandleben
Als Zückerchen vor dem Abschied von Puerto Madryn stehen am 24.03.12 noch zwei aufregende Dinge an, so dass ich am Vorabend vor Vorfreude fast nicht einschlafen kann:-):  Tauchen mit Seelöwen und direkt im Anschluss mein erster Cold Water Dive zum im 1988 gesunkenen Fischerboot „Albatros“. Dank ausgefeiltem Verhandlungsgeschick handle ich mit dem Lobo Larsen Tauchshop einen super Deal für beide Erlebnisse aus, über den aber Stillschweigen gewahrt wird, da alle anderen Beteiligten mehr bezahlen. Voller Erwartung steige ich ins 16° kalte Wasser. Der 7mm Wet Suit, das Thermoshirt, die Tauchschuhe und –Kappe schützen mich vor der Kälte… Just im Wasser eingetaucht, stupst mich der erste Seelöwe bereits an. Mit der Schnorchel-Gruppe im Formationsschwumm geht’s dahin, wo sich die meisten Tiere mit ihren niedlichen, grossen Augen tummeln. Dort zeigen uns die ulkigen Seelöwen ihre akrobatischen Kunststücke im Wasser, drehen Pirouetten, schnellen auf uns zu und drehen gekonnt in letzter Sekunde ab. Den einen oder anderen kann ich sogar berühren und ein ganz frecher beisst mich leicht in die Hand (es fühlt sich etwa so an, als würde ein Hundewelpen nach einem schnappen). Das Erlebnis ist einzigartig! Ebenso mein anschliessender Tauchgang auf rund 22m Tiefe zur „Albatros“. Zweimal tauchen wir sogar durch das Schiffswrack hindurch! Nebst verschiedenen Fischen, entdecke ich im Dunkeln des Wracks sogar die alten Instrumente, die mit Algen und anderem Meeresgetiere überwachsen sind. Auch wenn die Sicht, die Wassertemperatur und auch sonst alles andere nicht mit Roatan vergleichbar sind, war es ein tolles Abenteuer. Während Mike den Bus zurück nach Buenos Aires nimmt, beginnt am Nachmittag meine 31-Stündige und 215 CHF teure Reise ans Ende der Welt…
Sexy Taucher im 7mm

Na dann schauen wir mal…


…süsse Seelöwen überall…
…zeigen ihre Kunststücke..
..und begrüssen uns neugierig.
Ein klasse Erlebnis!

 “We live in a wonderful world that is full of beauty, charm and adventure. There is no end to the adventures we can have if only we seek them with our eyes open.” – Jawaharial Nehru
Cheers
Alex

Montag, 2. April 2012

Ferien auf dem Bauernhof


[Esteros del Iberá – Buenos Aires 2]

Noch am selben Tag, dem 16.03.12 im stark Wild Wild West (wig wiggy-wig wiggy-Wild Wild West) angehauchten Mercedes angekommen, begeben wir uns sogleich auf Gaucho-Jagd (ein Gaucho ist das südamerikanische Pendent zum Cowboy). Und siehe da, tritt ein Prachtexemplar gleich mehrfach vor unsere Kameralinsen. Während wir die Stadt erkunden macht er Bankgeschäfte, quasselt mit dem Dorfpolizisten und verschwindet in die Busterminal-Toilette, als er pissed-off ist, weil wir immer gleich unsere Kameras auf ihn richten. Um in die unberührte Natur zum Nationalpark „Esteros del Iberá“ zu gelangen buchen wir die teuerste Taxifahrt ever (450 Peso, das sind knapp CHF 100 für einen Weg). Graciela, die kurrlig-kurvige Reiseberaterin (mindestens einmal ins Schminkdöschen gefallen) organisiert für uns den Trip und gibt uns gleich noch eine Lebensweisheit mit auf den Weg: „Calavera no chilla“ – Leute, die das Partymachen lieben, sollten sich nicht über die Konsequenzen beschweren. Die 2h Taxifahrt über eine ungeteerte Strasse mitten unter dem Sternenhimmel der Südhemisphäre ist phänomenal und inspiriert uns gleich noch für ein kleines Fotoprojekt, als wir im 120km entfernten Colonia Pellegrini ankommen und in unserer Ranch eingecheckt haben.
Stolzer Gaucho
Famous Graciela
Scary-Fotoprojekt
Am 17.03.12 erkundigen wir das atemberaubend schöne und zum Glück noch nicht mit Touristen überlaufene Sumpfgebiet (zweitgrösstes der Erde), welches unzählige Vögel, Wasserschweine (sehen aus, wie ein Mix aus gigantischer Maus gekreuzt mit Esel), Krokodile, gruselige Spinnen, Brüllaffen (sie haben aber nicht gebrüllt) und anderes Gedöns beherbergt. Unterwegs treffen wir einen Touristen, der uns stolz ein Bild auf seiner Kamera zeigt und sagt: „I have seen a sleeping Fox“. Der schläft noch immer im Dickicht, als wir an die Stelle kommen. Obwohl die Mittagshitze herunterdrückt, geniessen wir die Natur in vollen Zügen, fotografieren eklige Spinnen die ihre grossen Netze über die Wege gespannt haben und Wasserschweine, die gemütlich in der Gegend herum stehen. Bei Sonnenuntergang machen wir eine Bootstour durch das Gewässer, um Auge in Auge mit den Krokodilen zu sein. Grandios! Dabei lernen wir ein nettes Deutsches Pärchen kennen, das in der selber Ranch wohnt, wie wir.
Hallo Wasserschwein…
…geniesst du dein Bad?
Hallo Krokodil..
..ich hab schon bisschen Respekt vor dir
Tarzan-Baer
Spinnenfotograf
Vogelnest?
 Eingeschlafen zum Hundegebell-Chorus allegro aus der Ferne, werden wir am nächsten Tag in aller Frühe von einem Hahnen- und Insektenorchester crescendo geweckt – wie Ferien auf dem Bauernhof! Die Natur ruft, so begeben wir uns nach dem Frühstück am 18.03.12 zum zweiten Mal in den Naturpark. Die Sonne ist erst grad aufgegangen, die Luft noch kühl und der Parkwärter verschlafen, als wir beim Reservat ankommen. Die perfekte Zeit, um im Wald Affen zu sichten… wäre da nicht dieser Fuchs, den wir am Vortag noch friedlich schlafend aus der Ferne geknipst haben. Plötzlich schnellt er mit gesenktem Kopf auf uns zu und bleibt nicht stehen. Fuck, das ist kein normales Verhalten für ein Wildtier. „Tollwut“ schiesst mir durch den Kopf, als er eine zweite Attacke startet. Das doofe Viech lässt sich nicht verscheuchen, auch nicht mit einem Stock, den wir auflesen und wild herumfuchteln. Fluchtartig verlassen wir den Wald und hasten zur Ranger-Station - der Fuchs ist uns gefährlich nah auf den Versen. Als ich meinen Stock nach ihm werfe, apportiert er ihn, wie ein Hund. Schlussendlich werden wir aufgeklärt, dass er zahm ist, wie ein Hund, da er sich schon so an Leute gewöhnt ist. Tja, sogar sowas kann passieren, wenn zwei Stadtkinder die Natur erkunden!
I have seen a sleeping Fox.
Sleeping Fox my ass!
Wildkatze: Genauso zahm,
wie der doofe Fuchs

Nachdem wir etwa eine Stunde in der Hitze herum gestapft sind und erfolglos nach Mittagessen gesucht haben (No me gusta el siesta), geben wir uns mit Chips, Keksen und CAP (erfrischendes Coke And Beer) aus dem Kiosk zufrieden und finden einen Taxi, der uns die 120 km nach Mercedes zurück fährt. Aus den verstandenen 400 Peso (zu früh gefreut) werden schlussendlich aber 500 Peso, die wir angesichts der Sprachbarriere jedoch anstandslos bezahlen. Wir ergattern die letzten beiden Suite-Cama Sitze für den Übernachtbus zurück nach Buenos Aires. Gestärkt mit Pizza und etwas ausgechillt auf dem Platz im Dorfzentrum, wo wir das bunte Treiben beobachten, werden wir von einer äusserst attraktiven Stewardess mit Furby-Blick in unsere Luxus-Suite auf Rädern eingewiesen. Den Sitz zum waagrechten Bett umfunktioniert und von der argentinischen Autobahn in den Schlaf gewiegelt, erwachen wir am 19.03.12 wieder zurück in Buenos Aires. Wir checken im El Sol Hostel de Ricoleta ein, wo wir von unserer „Hostelfamily“ empfangen werden.
Argentinische Mate-Kultur…
..von Jung und Alt




Treue Blog-Leser erinnern sich bestimmt an meine Abenteuer auf dem Himalaya. Mit Clara und John (aus Irland) habe ich die 6 herausfordernden Trekkingtage im Markah Valley erlebt und das gefährliche Dowhnillbiken zum Nubra Valley überlebt. Damals haben wir uns zum Spass für März in Buenos Aires verabredet. Als ich an diesem Tag meine Mails checke, sehe ich eine Nachricht von den beiden, ob ich nun in Buenos Aires sei. Logo – Here is the Baer!  Wir treffen wir uns zum Abendessen – indisches Restaurant selbstverständlich – und haben uns viel zu erzählen und reden über die vergangenen Abenteuer. What a reunion!!!
Vor 9 Monaten in Indien…
…Clara+John wieder in BsAs getroffen

Tags darauf, am 20.03.12, ziehen starke Sommergewitter mit dicken Hagelkörnern auf. Die Wettervorhersage sieht trübe aus, daher beschliesse ich kurzfristig mit Mike (aus Holland) ins 1300km entfernte Patagonien zu verduften. Wir erhalten noch für denselben Tag ein supergünstiges Angebot mit einem Cama Bus (halbschräges Schlafen) für 480 Peso nach Puerto Madryn. Erneut ergattern wir die Panoramasitze in der Front und sehen zu wie die endlos flache Landschaft langsam in die Dunkelheit versinkt, als wir Richtung Süden flitzen.
“Me and Artemus Clyde frog go save Salma Hayek from the big metal spider. A wiggy wig wig wiggy wiggy wig Fresh cowboy from the west side Wiggy wiggy scratch yo yo bang bang Me and Artemus Clyde frog go save Salma frog polly prissy pants Go down to, well... rumpletumpskin” – Eric Cartman
 Cheers
Alex